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Kontraste noch und noch

Rund um den Kilimanjaro

Eine Woche lang begleitete uns der Kilimanjaro auf unserer Reise. Von kenianischer Seite haben wir uns langsam diesem berühmten erloschenen Vulkan genähert. Im Osten am Fusse des Berges passierten wir die erste innerafrikanische Landesgrenze, daraufhin reisten wir auf tansanischer Seite wiederum gen Norden um den Berg herum, im Südwesten des Berges nahmen wir Abschied von seiner kleinen verbleibenden Gletscher-/Schneekappe und unserer hilfreichen Orientierungshilfe. Von jedem Übernachtungsplatz aus sahen wir den knapp 6000m hohen Riesen. 

Staubige Savannen; Matsch nach Regenfällen, wo man sich wegen der besseren Griffigkeit sogar vereiste CH-Strassen herbei sehnt; zig grasende Zebraherden; Stopp inmitten einer grossen Giraffenfamilie; Lodges sämtlicher Preisklassen von wenigen Dollars bis 750 Dollar pro Nacht laut Reiseführer; perfekt englisch sprechende Leute, die im Tourismus arbeiten und ganz viele Menschen, mit denen wir uns mit Händen und Füssen und vor allem in Kiswahili verständigen; Hitze in den Maasaiebenen, kalte Nächte auf der Ostseite in Marangu, wovon viele Kili-Touristen starten; ... 

Sprache - der Schlüssel für gegenseitiges Verständnis

Wir halten an der Hauptstrasse inmitten wunderschöner, unbesiedelter Landschaft in der Nähe des Amboseli Nationalparkes, damit Christoph ein Foto machen kann. Dazu steigt er aus und geht mit den Kindern durch ein paar Büsche zu einer offenen Fläche mit grasenden Viehherden. Zwei ältere Maasai fragen ihn noch etwas und erwähnen "simba, simba" (Löwe), mehr Verständigung ist nicht möglich. Ich bleibe beim Fahrzeug, erkläre in Kiswahili den Männern unser Halten. Kurz daraufhin haben sie einen jüngeren herbei organisiert, von irgendwoher. Er spricht Kiswahili und sogar Englisch. Ich erkläre, wer wir sind und was wir hier machen. Er erklärt, die Männer hätten Angst gehabt, als sie unseren Landrover sahen. Die Regierung sei in ihrem Gebiet auf ein Kalkvorkommen gestossen. Im Moment seien Messungen und Forschungen in Gang, man wolle in mittelfrisiger Zukunft eine Fabrik aufstellen. Die ansässigen Maasai würden nicht angehört und fürchteten um erneuten Landverlust. Die von der Regierung Gesandten kämen stets in Landrovern wie unserem daher. Es habe vor zwei Monaten wegen der Angst vor Landenteignung hier Kämpfe gegeben. Die Erleichterung war spürbar, dass wir nur der schönen Landschaft wegen hier halten. Unsererseits auch, nachdem wir in unmittelbarer Nationalparkregion bzw an Orten, wo sich typische Touristen aufhalten, mit dem ständigen Verlangen nach Geld für Fotos konfrontiert worden sind und eigentlich dies erwarteten. Beide Parteien gingen zufrieden und freundlich auseinander.

Tourismus kann verderben

Marangu, ein unglaublich fruchtbarer, grüner Ort. Glaubt man dem Reiseführer, sollen ca 55 000 Leute den Kilimanjaro jährlich besteigen, die Mehrheit wählt dazu die einfache Route ab Marangu. Reichtum und Armut einschätzen können und wollen wir nicht. Fakt erscheint uns, dass die Leute genügend zu essen und zu trinken haben, worüber wir in anderen Gebieten auch schon zweifelten. Es ist aber in Marangu im Dorf, wo gebettelt wird, wo geklagt wird, wo wahrscheinlich die Erfahrung gemacht wurde, dass auf diese Weise die 1-Dollarnoten fliessen. Im eher trockenen, in unseren Augen unwirtlicheren Loitokitok auf dem Markt, nur wenige Kilometer abseits des Stroms von Safari- und Bergtouristen, konnten wir uns zwei Stunden lang mit Frischwaren eindecken, an gerösteten Maiskolben knabbern, eine Schaufel für alle Fälle erhandeln und wurden NIE auch um nur einen Schilling gefragt. Lediglich freundlich gegrüsst und in die üblichen Gespräche beim Handeln verwickelt.

Die Maasai-Familie, die uns auf ihrem Land gleich neben ihren durch Dornenbüsche gesicherten Lehmhütten übernachten liess, bekommt wohl kaum vom Touristenkuchen ab. Mit dem Vater sind wir kurz vor dem Eindunkeln an der Strasse ins Gespräch gekommen. Die holprige, zum Glück ausgetrocknete Bachbette durchquerende Strasse hat viel Zeit gebraucht. Hier die einzige Verbindung, würde sie in Europa wohl als klassische Offroadstrecke durchgehen. Weit und breit kein Camping, keine Unterkunft. Nur Maasai mit Rinderherden, staubtrockenes Land, erloschene Vulkane in der Ferne. Der Maasai navigiert uns weg von der Strasse an Dornengebüsch vorbei zu seinem Zuhause. Wir richten unser Nachtlager ein, kochen einen Topf Pasta, stets unter neugieriger Beobachtung der Familie (mit 15 Kindern!) und der herbei geeilten Nachbarn. Am Morgen besucht uns noch der Vorsteher des Dorfes, der einzig englisch Sprechende, ein junger Maasai. Es erscheint uns, dass er unseren Gastgeber auf einzufordernde Übernachtungstaxen hinweist. Es beginnen Verhandlungen und Gespräche in Kiswahili, wobei ich miteinbezogen werde. Horrende Preisvorstellungen werden genannt, wie wir sie von den wenigen bisherigen Kontakten mit dem hochpreisigen Safaritourismus her kennen. Schlussendlich geben wir zusätzlich zu den bereits geschenkten Lebensmitteln dem Inhaber des Landes eine kleine Summe, den Nachbarn kaufen wir Schmuck ab und dem Dorfvorsteher erklärt Christoph auf englisch, wie wir zu Geld kommen,... Alle erscheinen uns schlussendlich zufrieden, wir lassen den Ort mit einem schönen Gefühl zurück, wir werden sehr herzlich verabschiedet und auf ein ander Mal willkommen geheissen. Hätten wir die geforderten Summen bezahlt, müsste man auf dieser Nebenstrasse vielleicht auch schon bald eine Maasai Conservation Fee nur zum Durchfahren von bis zu 25 Dollar pro Auto und pro erwachsene weisse Person bezahlen! Wie bei einigen anderen Strassen. In einem Land, wo Erntehelfer um 1 Dollar pro Tag verdienen! 

Zwei Aussagen von Weissen, die schon lange in Ostafrika leben:
Tanzania ist das teuerste Land Afrikas (für Weisse).
To be the president of a poor country is a very well paid job. You get lots of foreign aid, you have a huge salary.