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Auge in Auge mit Afrikas Wildnis

Wild

Afrika ist weit mehr als Safari, Löwen, Elefanten und Savannenlandschaft! Aber wegzudenken sind diese Inbegriffe afrikanischer Romantik dennoch nicht und auch uns hat das Jagdfieber gepackt, auf der Pirsch nach tierischen Begegnungen, die uns vielleicht schon hinter dem nächsten Busch erwarten.

Wie der Safarimarkt dem westlichen Besucher zum Frass vorgeworfen wird, macht zwar mehr Bauchschmerzen als stundenlang gebrüteter Strassenfood. Trotzdem wollen wir uns nicht vorenthalten, was viele als Haupttrophäe aus ihrem zweiwöchigen Afrikaabenteuer mit nach Hause nehmen. Begegnungen, Auge in Auge mit den wilden Tieren, die wir sonst nur durch Gitterstäbe zu Gesicht bekommen.
Serengeti, Ngorongoro, Massai Mara und wie die Goldgruben alle heissen, locken auch jetzt, in touristischen Flautezeiten, noch tausende Bleichgesichter an die Kassen. Bezahlt wird in US-Dollar, weil die Geldbündel in lokaler Währung keiner Hosentasche zugemutet werden könnten.
Um den grossen Touristenströmen etwas auszuweichen, haben wir uns einen ganz kleinen und einen unglaublich abgelegenen Nationalpark ausgesucht für unser Wildlife-Abenteuer. Den Lake Manyara NP und den Ruaha NP. Ersterer ist nur etwa 50 km lang, eingeklemmt zwischen Manyarasee und Grabenbruchkante, welche Hoch- und Tiefland trennt. Die meisten Touristen lassen ihn links liegen auf dem Weg zur Serengeti. Für uns lag er quasi auf dem Weg, weil wir im Norden rein und im Süden wieder raus fahren konnten.
Voll gespannter Erwartung krabbelten die Kinder noch unter funkelnden Sternen aus dem Dachzelt in ihre Autositze. Wir wollten die Gunst der Morgenstunde nutzen, um die Hippos noch vor dem Einwassern anzutreffen. Das Frühstück kam trotzdem nicht zu kurz! Der Parkwächter hat verschlafen und während der Erhebung der stolzen Entrancefee hätte ich auch diesen Blog noch schreiben können. Von den Hippos waren also nur noch Ohren, Augen und Nasenlöcher zu sehen.

Der Tag wurde aber dennoch lange genug und obwohl die Voraussetzungen zum Erhaschen des perfekten Bildes mit drei kleinen Kindern höchstens mittelmässig waren, sind ein paar wunderschöne Schnappschüsse gelungen. Lange vor unserer Reise habe ich mir diese Szene schon in den buntesten Farben ausgemalt. Der Kasperli trillert seine kecken Sprüche aus den Lautsprechern, währenddem nur Meter vor uns ein stolzer Elefant seinen Rüssel schwingt. Das sind Kontraste, für die man etwas unternehmen muss!

Die Katzen machten es ganz besonders spannend! Schon etwas in Zeitnot, um das südliche Parkgate noch vor 18 Uhr zu erreichen, erspähte Sarah plötzlich den wunderbar gezeichneten Pelz eines Leoparden in der Astgabel eines hohen Baumes. Unweit der Strasse war er dort damit beschäftigt, seine Beute genüsslich zu zerfleischen. Ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk und sogar dem Kasper stockte der Atem!

Der Ruaha Nationalpark galt quasi als Silvesterparty. Von Iringa über eine nicht enden wollende Wellblechpiste erreichten wir diesen abgelegenen Park im Süden Tansanias. Die meisten der wenigen Besucher landen von Dar es Salaam fliegend direkt auf der Schotterpiste beim einzigen Parkeingang. Hier wollten wir den 24-stündigen Parkbesuch auf zwei Tage verteilen, um die Dämmerungsstunden möglichst perfekt nutzen zu können. Obwohl, die Katzen wurden auch hier erst auf den letzten Drücker aus dem Sack gelassen. Drei Löwendamen räkelten sich bereits in der Mittagssonne, als wir voller Eindrücke, müde und nassgeschwitzt wieder das Parkgate anpeilten.

Mit im Gepäck vor allem ganz viele Eindrücke aus einer Welt, wie sie zum Glück noch existiert! Leider nur noch in ausgewählten Reservaten, zu dubiosen Marktpreisen, für ein exklusives Publikum! Die friedlich dahin ziehenden Elefantenherden im Abendlicht, den bunten Vogel am Krokodiltümpel und die aufmerksam grazilen Antilopen im goldgelben Steppengras kümmert das wenig.