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...und die Ferien beginnen

Die Reise geht weiter...

Gestern haben wir in Martins Drift das pechschwarze Afrika verlassen und letzte  Nacht erstmals auf Golfplatzrasen campiert.

Schon durch Botsuana entschärfte sich die Fremdartigkeit deutlich in Richtung gewohnter Lebens- und Umgangsformen. Die kreischenden Kinder am Wegrand sind wie weggespült von einem dieser kolossalen Gewitterstürme und wo vorher unzählige Tomaten- oder Mangotürmchen (entweder oder, aber nie gemischt) aufgereiht waren, säumen jetzt kilometerlange Zäune unseren meist pfeilgeraden Weg. Einmal für satte vierzig Kilometer ohne eine noch so winzige Biegung.

Keinen Tag möchte ich missen - auch nicht den einen - und doch stellt sich ein leises Aufatmen ein, an diesem angenehm kühlen Morgen auf dem Golfrasen am Nylriver bei Mokopane. Heute ist Sarah's Geburtstag! Die Sonne kämpfte sich durch zuerst dichten Bodennebel und trocknet jetzt die frisch gewaschenen Kleider. Die Kinderlein eingetaucht in ihre Rollenspiele, Sarah vertieft in ein Hörbuch - so richtig Ferien.

Ein weiterer Grund für das eingeschlagene Marschtempo und die angestrebte Zielrichtung Süd war ein blitzartiges Intermezzo mit geschäftstüchtigen Artgenossen in Livingstone.

Bis auf die Unterhosen durchnässt, nach dem Besuch der Victoria Fälle, war unser Hab und Gut noch wunderbar zentral verstaut, als sie zuschlugen. Nicht wörtlich, aber deutlich angedeutet und mit effektvoller Wirkung. Pässe weg, Kamera weg, gaaaaaanz viele Bilder weg, Kreditkarten weg, Bargeld weg... Ach so, nein, stimmt nicht ganz. Vier Kwacha hatten wir noch, vierzig Rappen, mein Handy und die Drohne, mit welcher ich zwischenzeitlich eine eindrucksvolle Luftaufnahme der weltberühmten Wasserfälle machen wollte. Ein kurzes Schauspiel zwischen zwei plötzlich aufgerissenen Autotüren. Zwei, drei oder mehr schwarze Typen, auf welche allesamt die Beschreibung passt, welche für 90 Prozent der männlichen Bevölkerung Ostafrika's ebenso passen würde.

Was aber langfristig den wohl prägenderen Eindruck hinterlässt, sind die darauffolgenden Erlebnisse mit der Sambischen Polizei. Diese führen gar soweit, dass wir auch sie als mögliche Täter durchaus in Betracht ziehen. Wohlwissend, dass uns dieser Umstand wenig hilfreich wäre.

Beim kleinen Policeoffice direkt an der Grenze zu Zimbabwe erstatteten wir also Anzeige gegen Unbekannt und erläuterten abermals die Geschehnisse dieser geschätzten 10 Sekunden. Einer der zivil gekleideten Officer war offensichtlich mehr als nur angeheitert, was seine Alkfahne deutlich unterstrich. Letztlich fuhren wir hinter drei Polizisten in einem nummernschildlosen weißen PW, möglicherweise identisch zu jenem, der uns schon unweit des Tatortes aufgefallen war, an ebendiesen zurück. Unserem Drängen folgend, nach allenfalls unbrauchbarem, weggeworfenem Diebesgut Ausschau zu halten. Das tat ich denn auch, erfolglos, während die schwer bewaffneten Polizisten ein heiteres Schwätzchen hielten.

Unser primär vordergründiges Problem, uns keinen vernünftigen Übernachtungsplatz mehr leisten zu können, führte uns später Etage um Etage himmelwärts im maroden Polizeihauptquartier Livingstones. Die Polstermöbel in den größer werdenden Büros blieben schmuddelig, wurden aber immer ausladender und prunkvoller. Wohl, weil es zuoberst nicht mehr höher ging, wurde uns dort ein persönlicher Offizier mit zwei Begleitern zu beordert. Diese sollten uns zum Campingplatz der letzten Nacht eskortieren um dort gnädigst um eine Freinacht anzufragen. Was wir so vorgeschlagen hatten.

Nachdem ein funktionstüchtiges Sirenenmobil gefunden war, folgten wir diesem zuerst zur Tankstelle. Benzin für die Karosse und Milkshakes für die Bullen. Die drei Plastikflaschen der Shakes flogen später im hohen Bogen aus dem fahrenden Fahrzeug. Kurz, nachdem wir die mehrsprachig beschilderten Hinweise zu den Benimmregeln in diesem Naturreservat passiert hatten.

Diese und so viele Freinächte wie immer wir benötigten, wurden uns mit freundlicher Selbstverständlichkeit gewährt. Freunde in der Schweiz sperrten sofort unsere Kreditkarten und halfen die notwendigen Kontakte für Hilfe vor Ort ausfindig zu machen. Vor Ort heißt hier, die Schweizer Botschaft im über 1'000 km Luftlinie entfernten Dar es Salam in Tansania.

In Schweizer Manier kamen wir auch wieder zu Bargeld. Unser Kundenberater der Raiffeisen eilte mal eben zu Western Union in Interlaken und sandte uns ausreichend Kwachas für die Weiterreise.

Diverse kostspielige Telefonate, Up- und Downloads im Schneckentempo und einer weiteren Nacht später waren unsere Notpässe für den Expressversand bereit. Kostenpunkt: 500 CHF. Fast gleichzeitig erreicht uns die Nachricht, dass eine Tasche mit unseren Pässen in einem Baum hängend gefunden wurde. Zusammen mit den gesperrten Kreditkarten und Simon's Windeln. Ein deutscher Helipilot, der hier mit Rundflügen sein Flugstundenkonto aufmöbelt, hat sie uns vorbei gebracht. Nicht ungewöhnlich für uns, dass wir Geschenke auf diesem Weg bekommen.

 

Fazit: Kaufen kann man solche Erlebnisse nicht, kostspielig sind sie trotzdem und ihr Wert wird sich nur vielleicht einmal zeigen. Aber die Kinder haben wieder reichlich Stoff für Ihre Rollenspiele und wir konnten gesund und munter weiterreisen. Die Lust am Fotografieren ist mir einstweilen abhanden gekommen, dafür bleibt mehr Zeit für anderes.

Sandpiste im Chobe NP. Viele Elefanten- und nur wenige Pneuspuren!