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Sossusflucht

Wüstenrennen

Es sind Kontraste in Reinkultur, die uns hier geboten werden. Nicht nur der Landschaft wegen!

Wir befinden uns im mittleren Westen Namibias, dort wo die Namib, als angeblich trockenste Wüste der Welt, ihren lukrativsten Auftritt hat.

Sossusvlei, ein Must für jeden Namibiareisenden! Und auch wir lassen uns das nur ungern entgehen. Der Kontraste wegen!

Der rötliche Sand, welcher sich hier über 300 Meter zu den welthöchsten Dünen auftürmt, wurde einst vom Oranjerivier in den Atlantik geschwemmt, von den Wellen an den Strand gespült und mit dem Wind wieder in die Wüste geblasen. Werke der Natur, die unsere Vorstellungskraft masslos überfordern. Sossusvlei heisst übersetzt soviel wie "Fluss, der in der Salzpfanne endet". Eigentliche Attraktion sind aber Sanddünen, die sich rund um diese Salzpfannen fortlaufend auftürmen, um wieder abgetragen zu werden. Ein uraltes Spiel der Winde vom und zum Meer. In einem winzigen Bereich dieses mächtigen Sandspiels werden täglich unzählige Fussspuren über Grate und steile Hänge gezeichnet, von Touristen wie wir es sind. Und im Handumdrehen sind sie wieder ausradiert.

Nach stundenlanger Fahrt über Wellblechpisten nordwärts, vervielfachen sich plötzlich die Begegnungen mit Touristen. Meist von Windhoek startend, kommen nur wenige südlicher als bis Sossusvlei auf ihrer zwei oder dreiwöchigen Namibiareise. Zu rar und zu weit verteilt sind die Attraktionen dieses Landes. Erschwerend dazu noch die Strassenqualität, welche Asphalt-, Leitplanken- und Mittelstreifen-verwöhnte Lenker an ihre Leistungsgrenze zwingt.

Vom Parkeingang in Sesriem nach Sossusvlei dann plötzlich eine nigelnagelneu geteerte Strasse. Nach 45 Kilometern die erste Düne, bei der von dieser Schlagader abgewichen werden darf. Bei Kilometer 65 schliesslich ein abrupter Übergang in tiefen Sand und nach wenigen Metern der Startpunkt zu einem Reigen verschiedener Dünen und Salzpfannen, deren Bewunder- und Bewanderung es zu erleben gilt.  Für den empfindlichen Bildsensor der Kamera und die nackten Füsse vorzugsweise bei tiefem Sonnenstand. Tagsüber wird's hier grell und heiss!

Um dieses Highlight inszenierend aufzumotzen, wurde die Besuchszeit eingeschränkt. Die Kette am Strassenanfang fällt zwischen 5:30 und 20:00 Uhr. 45 Minuten vor Sonnenauf- und ähnlich nah nach Sonnenuntergang. Dies zumindest für alle, die sich den teuren Campingplatz im Parkinneren leisten wollen. Alle anderen starten frühestens eine Stunde später.

Soviel zu den Rahmenbedingungen!

Den teureren, ausgebuchten Campingplatz haben wir uns dann geleistet. Ohne Reservation zwar, zum selben Preis, etwas abseits und ohne Infrastruktur. Aber ja, etwas dazugehören wollten wir doch und ein paar wunderschöne Bilder im satten Morgenlicht haben uns schon gluschtig gemacht.

Tagwache also kurz vor Fünf. Wie erwartet, reihen wir uns bereits nicht mehr in Poleposition in die Reihe hinter der Kette ein. Mit Schweizer Präzision fällt sie pünktlich um 5:30 und das Rennen beginnt! Noch während unser Diesel vorglüht setzt der erste Minibus zum Überholen an.

60km/h-Tafeln und Blitzerwarnungen zum Trotz donnern wir bald schon mit 90km/h über den seidenfeinen Asphalt. Als Letzte! Alle Anderen und das waren wahrhaftig nicht wenige, haben uns bald schon überholt. Vor uns eine sich immer mehr in die Länge ziehende Kette roter Rücklichter.

Während wir vor dem letzten Abschnitt im weichen Sand den Reifendruck reduzieren, geht die Sonne auf. Hinter Menschenketten auf den scharfen Dünengraten. Durch Sinnfragen im Kopf getrübt aber dennoch wunderschön.

Auf den letzten Metern zu Big Dady, der höchsten aller Dünen mit rund 350 Metern Höhe, haben wir dann in den "Rückspiegel" geschaut. Hinter uns eine lange Reihe schnaubender Gipfelstürmer die sich durch den weichen Sand quälen.

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