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Im Land der Herero

Family Nguvauva

Wetterwidrigkeiten und ausgebuchte Campingplätze am Waterbergplateau lassen unsere Wanderpläne Bach ab gehen.  So machen wir uns gleichentags auf den Weiterweg nordostwärts. Ein Shortcut bringt uns auf eine Parallelstrasse nur ca. 20km versetzt und plötzlich sind die weissen Mietwagen verschwunden, stattdessen begegnen uns Eselskarren auf der Strasse. Ein Polizist ereifert sich an einem falsch parkierten und ordert den entsprechenden „Fahrer“ mit „Führerschein“ herbei. Hühner und Güggel sorgen für eine krümelfreie Umgebung der Tankstelle und Strasse. Es lebt überall! Links und rechts der Strasse stehen Töpfe auf Stehbeinen über fast ausgeglühten Kohlen, unser grosser Hunger obsiegt die hygienischen Bedenken und schon sitzen wir auf dem Bänkli und essen fast kalten Maisbrei von Hand und Kartoffel-Gemüse-Gestampftes mit dem Löffel. Wir werden beobachtet, es wird munter kommentiert in der Herero-Sprache, ja, wir sind in Afrika! Schön, ein Vorgeschmack auf die Länder ausserhalb der südafrikanischen Union.

Wir fahren weiter. Und brauchen angesichts der bald einbrechenden Dämmerung eine Übernachtungsgelegenheit. Der erste an der Strasse angesprochene Mann schenkt uns sein herzlichstes Lachen, verstanden hat er unser in Englisch vorgetragenes Anliegen aber nicht. 100 Meter weiter unternimmt Christoph den zweiten Versuch. Und siehe da, eine Minute später fahren wir ins Viehgatter vor den Wohnhäusern und haben unseren Platz für die Nacht. Dazu gehören ein paar überaus freundliche, herzliche, aber angenehm zurückhaltende Frauen, Musik, Tanz und Gesang zum Sound vom USB-Stick, der im Radiogerät steckt, zwei freundlich miteinander spielende Hunde und viel Sand für Levi und Simon zum Graben.

Anderntags werden gegenseitige Aufnahmen gemacht, die Schwiegermutter vorgestellt, Simon erkundet die Felder und Levi füllt mit dem Schlauch die Waschbecken, wo der Sohn unserer Gastgeberin die grosse Wäsche macht. Wir erfahren, dass Trinkwasserbehälter in einer nassen, gestrickten Hülle am Baum hängen und so stets kühles Trinkwasser zur Verfügung steht, Verdunstungskälte als natürliches Kühlsystem. Oder beobachten, dass telefoniert wird mit dem Natel, das vor einem Blech am Baum hängt, in der Hand klappts vom Empfang her nicht. Ich bin beeindruckt, wie man sich mit einfachen Mitteln zu helfen weiss und freue mich auf viele weitere spannende Begegnungen.

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