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Etosha

Verwöhnt

Etosha Kalk-Salzpfanne!

Ein kreisrunder Pool so blau wie der Himmel über ihm. Gerade taucht die Sonne feuerrot am östlichen Horizont auf und ins längst schon begonnene Vogelkonzert mischen sich wieder menschliche Geräusche. Der Tag erwacht im Etosha Safari Camp, etwas ausserhalb des weltberühmten Etosha Nationalparks. Dieses Naturreservat im Norden Namibias erstreckt sich über rund die Hälfte der Schweizer Fläche und ist eingezäunte Heimat für über 580 Tierarten mit vier oder weniger Beinen.

Bis gestern und davor für rund drei Wochen haben uns meine Schwester Susanne und Fernanda begleitet. In einer schwungvoll, nordwärts führenden Linie durch Namibia.

Ab jetzt geht's wieder gemächlicher weiter.

Quasi als Finale Grande für Susanne und Fernanda, haben wir uns den Etosha Nationalpark aufgespart. Ebenso für 20'000 andere Touristen pro Jahr, gehört dieser Hotspot zuoberst auf den Wunschzettel ihrer Reise. Obwohl die Bekömmlichkeit saisonal stark schwankt, und aktuell harte Bedingungen für Tierbeobachtungen herrschen, haben wir uns ausnahmsweise sogar einer Reservation unterworfen, auf einem der wenigen Campgrounds innerhalb des Parks.

Von Tsumeb kommend stehen wir also pünktlich bei Sonnenaufgang (06:15 Uhr) vor dem Namutoni-Gate im Osten des Parks und erwarten freudvoll das Öffnen des schweren Holztors. 37 Stunden überwältigendes Naturspektakel stehen uns bevor.

Letztlich werden es haargenau 48 Stunden!

Und tatsächlich, nach einem kurzen Tankstop im Namutoni Camp erspähen wir auf dem ersten Loop bereits einen gemächlich dahin stolzierenden Löwenmann. Ein Prachtkerl! Leider füllt er auch durch das 300er-Tele nur einen kleinen Bildausschnitt, aber allemal ein fulminanter Startschuss. Die Erwartungen steigern sich ins Unermessliche!

Die Strassen im Park sind einem Landrover fast ausnahmslos unwürdig. Breit und unlängst gehobelte Gravelpisten. Trotzdem tuckern wir mit 30km/h durch Savanne und Trockenwald. Die beginnende Regenzeit hat hier bereits ein paar ergiebige Güsse verteilt und einzelne Sträucher und Grasflächen leuchten in hellem Grün. Ganz schön anstrengend, aus dieser Szenerie verdächtige Umrisse von Tieren heraus zu filtern. Giraffen machen's uns etwas einfacher und auch Zebras, Impalas, Springböcke, Gnus und Oryxe sichten wir ihrer grossen Anzahl wegen öfters. Selbst den Sekretärvogel, zu welchem Levi einen beeindruckenden Vortrag halten kann, erspähen wir am Rand der Etoshapfanne.

 

Weitere Löwen, Leoparden, Geparde oder die Dickhäuter Nashorn und Elefant machen sich jedoch rar. Selbst Safariguides, die unsere Wege kreuzen, zucken nur die Schultern und wollen keine der begehrten Trophäen gesichtet haben. An den zahlreichen besuchten und allesamt gefüllten Wasserlöchern haben wir kein einziges Säugetier gesichtet. Am Abend, als wir in den geschützten Menschenkäfig Halali im Herzen des Parks rollen, ist unser Tachostand um 200km angeschwollen.

Sarah und auch mir steht die "Etoscha-Entäuschung" ins Gesicht geschrieben. Nicht unseretwegen als viel mehr für Susanne und Fernanda hätten wir uns diesen Besuch wesentlich ergiebiger gewünscht. Auch für die Kinder war dieser Tag eine mittlere Tortur. Der Abend am beleuchteten Halali-Wasserloch gleich nochmals. Die verlangte Stille auf der Tribüne vor dem einsamen Wassertümpel war definitiv zu viel verlangt.

 

In Erinnerungen an unsere letztjährigen Parkbesuche in Tansania und Botsuana schmolle ich in den Schlaf während Sarah einen erneut erfolglosen, nächtlichen Besuch am Wasserloch macht. Obwohl uns die Parks in Ostafrika ein Vielfaches gekostet haben und in den Peak der Regenzeit fielen, schmücken sie unsere Erinnerungen in den buntesten Farben, während wir hier etwas verständnislos auf die zahlreichen Mittouristen schauten.

Für unsere zwei Afrikagäste schien das nur halb so wild. Auch Giraffen und Zebraherden beeindrucken das unverdorbene Auge!

Der Startschuss in den zweiten Tag fällt zur gleichen Zeit und verpufft diesmal ohne Knall in der end- und tierlosen Weite der Salz-Kalkpfanne. Eine 4760 Quadratkilometer Fläche, die sich später in der Regenzeit zumindest teilweise mit Wasser füllt. Ist genügend Wasser da, kommen abertausende Flamingos aus der Region von Walvisbay 450km dahergeflogen um ihre Jungbrut hier aufzuziehen. Ein unvorstellbares Bild!

Unser Weg schlängelt sich weiter durch den Park, während sich die Geschwindigkeit mit schwindender Hoffnung allmählich erhöht.

 

Nicht mehr weit vom Tagesziel entfernt plötzlich ein Schrei von Sarah: EEEEEEE L E F A N T! Tatsächlich! Zwanzig Meter rechts der Piste, hinter Büschen, nascht genüsslich ein Bulle von den saftigen Blättern. Alleine! Der Auslöser der Kamera glüht und die Gemüter schnaufen erleichtert auf. Nach etlichen Minuten satt gesehen tuckern wir gemütlich weiter um bald schon wieder in die Eisen zu stehen. Eine ganze Gruppe Elefanten streift zielstrebig durch den Busch. Darunter ein noch grösserer Bulle und mehrere Jungtiere. Im Rückwärtsgang folgen wir ihnen parallel auf der Strasse bis zu einem leider nicht zugänglichen Schlamm- und Sandbad. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich noch andere Fahrzeuge und ein mit Bleichgesichtern vollbeladener Lastwagen auf und buhlen mit uns um den besten Aussichtsplatz.

 

Unsere Etoscha-Safari ist gerettet und alle räkeln sich in Zufriedenheit. Es bleiben noch etwa vier Stunden bis die Tore an den Gates geschlossen werden. Vom Erfolg erneut entfacht, folgen wir dem Hoffnungsschimmer doch noch ein paar Löwen aufzuspüren. Eine Französische Familie hat uns in Tsumeb von ihrer Begegnung mit einer Löwenfamilie nördlich von Okaukuejo berichtet. Beim Zwischenstop im Camp wird dieser Hinweis gar noch bestätigt und bald darauf donnern wir mit den maximal erlaubten sechzig Sachen nordwärts. 36km bis Adamax! Es bleiben uns noch zwei Stunden, bis wir um 19:05 aus dem Park raus müssen!

Der Ort ist wunderschön und ein perfekter Spielplatz für Löwenbabys. Wir sind ganz alleine und das Abendlicht taucht die Szenerie in wunderbar warmes Licht. Im Schritttempo kurven wir zwischen verdorrten Bäumen umher und lassen keine der vorhandenen Fahrspuren aus auf der Pirsch nach den Büsis. Aber leider soll's nicht sein und die Uhr drängt um den Rückweg noch zeitig zu schaffen. Zum Glück haben wir dann die wenig längere Variante Zwei gewählt! Es war eigentlich unmöglich, die vier Katzenbabys zu übersehen, direkt am Strassenrand im Abendsonnenbad. Ein schier unwirklicher Moment der Glückseeligkeit! Auch zwei Löwinnen waren zugegen und als würden wir nicht existieren, trotteten sie später gemeinsam davon.

 

Unsere Zeit drängte und obwohl sich auf dem Rückweg noch unzählige perfekte Fotosujets im Licht der untergehenden Sonne geboten hätten, mussten wir uns den Parkvorgaben und unserem Schweizer Pflichtbewusstsein beugen und rechtzeitig am Gate erscheinen. Gereicht hat es doch nicht! Also auch hier Plan "B" und eine weitere Nacht im teuren Nationalparkcamp.

Die mürben Gluckern an der Rezeption des staatlich geführten Camps hatten allerdings keinen Lösungsvorschlag für unsere Situation. Das Camp ist ausgebucht und die restlichen 15km Teerstrasse zum Parkgate nicht mehr zu schaffen Das Camptor im Begriff zu schliessen. Grosses Achselzucken hinter dem Tresen.

Also zotteln wir davon, suchen uns selbst einen Platz auf dem grossflächigen Camping und gönnen uns unser letztes gemeinsames Abendessen bei Springbock, Oryx & Co. vom Buffet.

Zu nächtlicher Stunde taucht dann sogar noch ein Nashorn am beleuchteten Wasserloch auf.

Der Tag ist perfekt und die gemeinsame Reisezeit mit Susanne und Fernanda bekommt den maximalen Erinnerungswert.

Auf die Minute genau 48 Stunden nach unserem Parkeintritt bei Namutoni, verlassen wir frühmorgens den Etoscha durch das Anderson-Gate.

Nach zwei Tagen Pool geht's morgen nochmals in den Park. Diesmal in den erst seit 2014 öffentlich zugänglichen, wenig erschlossenen Westen des Parks. Gelockt von einer ziemlich abgelegenen Gegend, ganz im Nordwesten Namibias. Kaokoland, Heimat der Himbas.

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Kommentare: 3
  • #1

    RoMeLiTo (Donnerstag, 09 November 2017 19:46)

    Wau die schöne Idrück! Das lät Tröim la ufläbe.
    Gniesset die schöni Zit.
    Liebi Grüess us Iseltwald

  • #2

    Knirps (Freitag, 17 November 2017 13:31)

    Einfach immer wieder mega eindrücklich, die prachtvollen Fotosujets, die wir auf eurer Website bestaunen dürfen! Da sind richtige KönnerInnen am Werk!
    Lieber Gruss und guten Weg!

  • #3

    Fränzi und Yana (Dienstag, 21 November 2017 17:52)

    So schöön, die viele Tier.

    Mir hei das mittlerwiile zu üsem Ischlafritual gmacht, d Ouge schliesse u uf Afrika reise zu all däne schöne Tierli :)

    Ganz liebi Grüess vo üs füüf