· 

Kids-Pirsch

Etosha zum Dritten

Seit letztem Freitag sitzen wir in Tsumeb fest und warten auf Ersatzteile für die hinteren Fox-Stossdämpfer. Die Wellblechpiste im Westen des Etosha-Nationalparks hat sie derart malträtiert, dass sich die oberen Gummifixationen bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst haben. Das ohrenbetäubende Schlagen von Metall auf Metall liess uns bald keine andere Wahl, als die Stossdämpfer auszubauen und die restlichen 460 Kilometer schaukelnd wie in einem Wildwasserkanu zurück zu legen.

 

Die im Kaokoland eingeschlagene Marschrichtung "Ost" stellte uns vor die Wahl einer Route entlang der Angolanischen Grenze in relativ dicht besiedeltem Gebiet oder jener erneut durch den Etosha-Nationalpark in entgegengesetzter Richtung. Die Faszination für die Tierwelt hat gesiegt! Darum hier nochmals ein paar Impressionen tierischer Natur.

Zum heiss begehrten Knips auf den Leo- oder Geparden ist es leider auch diesmal nicht gekommen. Dennoch wurden Tag Fünf bis Acht im Etosha wieder durch ein paar sehr bildstarke Begegnungen ausgezeichnet und wie es üblicherweise dazu kommt, möchte ich hier einmal etwas detaillierter umschreiben.

Wer mich kennt, weiss, dass ich meine persönliche Messlatte gerne etwas höher setze, als dies für einen Allrounder zweckmässig wäre. Gleichzeitig bin ich ausrüstungstechnisch verhältnismässig bescheiden unterwegs. Die Sony Alpha 7 lichtet zwar im Vollformat ab; das alte Minolta 300mm Objektiv, lässt aber nur Manuellfokus zu. Ein neidisches Schielen auf die fetten Rohre aus den anderen Fahrzeugfenstern kann ich mir jeweils schlecht verkneifen, wenn wir uns gemeinsam vor einem Sujet postieren. Ausser bei den hart zu erarbeitenden Katzen ist dies glücklicherweise selten der Fall.

Sicherlich kann mit guter Ausrüstung und Erfahrung so einiges wettgemacht werden. Nicht unwichtig ist das Quäntchen Glück und noch viel mehr die Geduld, welche das ultimative Tierbild auf den Sensor zaubern. Den Glücksbooster habe ich noch nicht erfunden und bezüglich Geduld wähne ich mich unter nicht ganz befreiten Verhältnissen. Alles in allem bin ich also gar erstaunt und nicht wenig stolz über das Resultat der Bemühungen.

Die "nicht ganz befreiten Verhältnisse" kann man sich in etwa so vorstellen: Wir sitzen zu fünft in einem vollbepackten Landrover und durchkreuzen die ausgedehnten Weiten eines Nationalparks, halb so gross wie die Schweiz. Tagwache im Morgengrauen um pünktlich mit dem ersten Sonnenstrahl die Öffnung des Gates nicht zu verpassen. Die schlaftrunkenen Kinder wiegen sich noch entspannt im Geholper der allesamt unbefestigten Strassen. Morgenstund hat Gold im Mund!

Nur kurz glüht die Sonne rot und taucht alles in warmes Licht. Dann herrscht wieder gleissende Helle mit kleinen, harten Schatten. Aussteigen ist nur an wenigen Orten erlaubt! Pipi zur Not durchs Fenster. Immer ausgefeilter und hoffnungsloser unsere Anstrengungen zur Aufheiterung  der Stimmung auf der Rückbank. Als letzten Trumpf noch der Kasperli!

Auch ohne Vergleichsmöglichkeit bin ich aber überzeugt, dass unsere Kinder überdurchschnittlich tolerant sind und so einiges über sich ergehen lassen, was andere in den Abgrund triebe. Dafür, dass ihre Begeisterung selbst für blitzende Löwenzähne nicht ewig anhält, habe ich vollstes Verständnis.

Auch ich selbst bin nicht mit afrikanischer Geduld begnadet. Trotzdem wünschte ich mir manchmal etwas mehr Zeit um auf den perfekten Moment zu warten. Zumal die Wahrscheinlichkeit, dass ich in gerade diesem Moment auch noch alles richtig mache, eher klein ist. Die Ein- und Verstellmöglichkeiten der Kamera sind mannigfaltig und die optimale Einstellung des Fokusringes  liegt in Bruchteilen eines Millimeters. Soweit so gut, wenn das Ganze nicht aus einer Schüttelbüchse hinaus passieren sollte. Nein, nicht während der Fahrt und auch während die vier Zylinder im Motor still stehen. Fast garantiert aber kommt im falschen Moment ein Stoss an meine Rückenlehne oder es entfacht ein Ringkampf in den hinteren Reihen und lässt das ganze Auto erzittern.

Der Wunsch nach noch grösseren Brennweiten schwindet; umso mehr wächst jener nach funktionierenden Stossdämpfern!

Bildausschnitt von 2000x1333 Pixel. Originalbild 6000x4000 Pixel.
Bildausschnitt von 2000x1333 Pixel. Originalbild 6000x4000 Pixel.

Sony Alpha7 MarkII mit Minolta 300mm 1:4 (32)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Marius und Beatrice (Mittwoch, 29 November 2017 22:36)

    Hallo ihr Liäbe im warme Afrika
    Immer wieder lesen wir gespannt eure Berichte und erfreuen uns über die wunderbaren Bilder... Bravo Christoph, einfach fantastisch wie du diese verschiedenen Szenen einfängst und uns damit miterleben lässt was ihr in diesem Land alles erlebt. Ebenso eure Berichte sind so detailreich geschildert, dass es manchmal sogar etwas Gänsehaut gibt...und immer wieder staunen lässt! Wir wünschen euch weiterhin gute Reise ...
    Herzlichi Grüess a eu alli us dä jetzt verschneite Schwiitz.. Beatrice und Marius