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Erwerben, pflegen, erhalten

Wir sitzen 200 Meter von der Hauptstrasse entfernt im Busch beim Abendessen, horchen nach knackenden Ästen, die Elefanten, Hyänen oder gar das zuvor über Hunderte von Metern verfolgte Wildhundrudel verraten könnte. Stattdessen hören wir das Scheppern eines in unseren Augen viel zu schnell vorbei rasenden Fahrzeugs, bei einbrechender Nacht und unweit vom wildreichen Moremi Game Reserve wohlverstanden. Und Christoph fragt: „Warum nur tragen die Leute hier nicht mehr Sorge zu ihrem Material, wo sie schon wenig besitzen und glauben, arm zu sein?“

 

Und so beginnt eine unserer afrikatypischen, beliebig erweiterbaren Diskussionen, die geprägt sind von viel Spekulationen, Glauben, Unwissen und europäisch geprägten Denkversuchen, sich in eine fremde Kultur hinein zu versetzen. Und alles darf dabei auch nicht ganz ernst genommen werden. Ich nehme nicht Bezug auf ein spezifisches Land, sondern Beobachtungen der Leute aller zehn von mir bisher besuchten afrikanischen Länder fliessen mit hinein. Mit Afrikaner meine ich hauptsächlich die schwarzafrikanische, von den Urvölkern abstammende Bevölkerung.

 

Weshalb fährt man mit schepperndem Auto, ohne neu dazu kommenden komischen Geräuschen auf den Grund zu gehen?

Weshalb werden in Duschen Duschköpfe installiert aber nicht entkalkt, so dass früher oder später die Dusche als Kübeldusche erfolgen muss?

Weshalb verfällt ein Campsite/eine Lodge/ein Restaurant kurze Zeit nach der Inbetriebnahme bereits wieder oder sieht zumindest wenig einladend aus? Und warum passiert das nicht, wenn in der Führung ein Europäer oder zumindest weisser Südafrikaner steckt?

Weshalb sind in den Supermärkten immer wieder die Schiebetüren von Gefriertruhen offen und die zu verkaufende Ware klebt als Block zusammen? 

 

Ist es Unwissen, fehlende Kenntnisse, ist es Faulheit, Gleichgültigkeit, steckt Armut dahinter, fehlende Mittel für den Unterhalt?

Immer wieder erlebe ich, dass hier viel mehr im Moment gelebt wird. Planen, vorausdenken, auf die Seite legen, sparen, vorsorgen, konservieren, das scheint uns Europäern mehr im Blut zu liegen. Warum nur?

Könnten naturgegebene Umstände dafür mitverantwortlich sein? Vor dem weltweiten Güteraustausch mussten unsere Vorfahren in Europa ausgeklügelte Methoden zur Konservierung und Lagerung entwickeln. Viele Monate im Jahr war und ist auch heute noch abgesehen von den Treibhäusern ans Ernten nicht zu denken. Das Vorausdenken, Einteilen und Sparen (für kältere Zeiten) ist vielleicht tief in uns verankert. In den fruchtbaren Gebieten von Afrika hingegen wird mehrere Male im Jahr geerntet. Es wird gegessen, was gerade reif ist. Man kann wohl eher von der Hand in den Mund leben als in Nordeuropa. (In den Trockengebieten waren und sind teilweise noch Nomadenvölker beheimatet, die mit dem Nahrungsangebot ziehen und wieder ihre eigenen Methoden entwickelt haben).

 

Lässt der Lenker auf der Strasse nach Maun sein Fahrzeug weiter rasen und scheppern, weil er das Vorausdenken nicht von Grund auf gelernt hat und einfach den halb fliegenden Zustand geniesst? Weil seine Vorfahren nicht Jahr für Jahr vor einer monatelangen Vegetationspause standen? Wir denken beim nächsten komischen Geräusch anderntags mitten im Chobe Nationalpark voraus, kriechen unters Auto, entdecken und fixieren behelfsmässig zwei gebrochenen Schweissnähte und platzieren währenddessen unsere Kinder auf dem Autodach, um den nahe daherziehenden Elefanten im Auge zu behalten.

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Kommentare: 1
  • #1

    Natalie Pedrini (Mittwoch, 13 Dezember 2017 22:54)

    Hoi zämä!
    Das sind sooooooo tolli Fotos und spannendi Brichte... - so schön!! Danke vielmals!
    Ich wünsche euch no ganz viel meh schöni Erlebnis und wenig Pannen etc.
    Gniessets - bi üs isch der Winter scho syt es wiili iitroffe, mit Schnee u chalt, Fönsturm, nähr wieder Schnee etc. 1. Skitour gmacht - no kei Unterlaag - jede versteckte Stei gstreift....
    Hebet sorg, en liebe Gruess,
    Natalie