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Buschweihnachten

Seit Beginn unserer Reise wurde der 24. Dezember, seine Gestaltung, etc. immer wieder einmal diskutiert. Ein zunehmend wichtiger Tag für die hintere Reihe. Und so verbringen wir den Vortag in der Hauptstadt Harare, um von der hauptstädtischen Lebensmittelvielfalt profitieren und unsere Lebensmittelkiste mit anderem als Tomaten, Zwiebeln und Reis bereichern zu können fürs festliche Mahl. Unsere Besuche verschiedener südafrikanischen Supermarkte fallen ernüchternd aus. Es gibt so vieles, was das Herz begehrt, zu sooo horrend hohen Preisen. Wer vermag sich dies zu leisten, in einem Land, wo die mittägliche Verpflegung für einen einheimischen Reisenden aus einem 50-Cent teuren gegrillten Maiskolben besteht? Wo der Bauer für 2 kg Tomaten am Strassenrand 1 Dollar verlangt… Vielleicht der Architekt, der uns auf dem Parkplatz seine Visitenkarte entgegenstreckt, falls wir ihm unser Gefährt für 50 000 Dollar überlassen möchten? 
Unser Wildcamp fürs grosse Fest finden wir in einer Waldlichtung auf halbem Weg von Harare zu den im Osten liegenden Gebirgsketten. Christoph kümmert sich um den Weihnachtsbaum, die Kinder um den Schmuck, ich nehme mich der Krippe an. Es wird gesägt, gebohrt, leere Getränkedosen werden verschnitten, Baumrinden und Grashalme verflochten. Christoph sorgt für musikalische Vielfalt und ergänzt meine Ukulele-Klänge mit den Tönen aus seiner nachmittags angefertigten Panflöte. Auf schön gedecktem Tisch (meinem Wickeltuch sei dank) und im Licht unserer Mückenabweisenden Kerze werden Fladenbrote aufgetragen. Gebratener Kohl, Hackfleischbällchen, Avocadosauce und Joghurt stehen bereit. Was für ein Festmahl! Eingewickelt hats im Entferntesten sogar mit Nanis geliebtem Filet Wellington etwas Gemeinsames. Für einmal fallen die Äuglein der Kinder mit einbrechender Dunkelheit nicht zu, sondern beginnen immer mehr zu leuchten. Es gibt Nachtisch. Zwei Sorten Spritzgebäck, Muffins, ein paar Täfeli Schokolade und Litchi-Früchte sorgen dafür. Die tief unten in der „Krimskrams 2“ -Kiste verborgenen Geheimnisse werden gelüftet. Und bald darauf suchen Christoph und ich 
unter Fetzen von Geschenkspapier nach den letzten verbleibenden Süssigkeiten. Dies alles spielt sich unter der vom Regen bestens schützendenden Markise ab. 
Am 25. Dezember dürfen wir einem die ganze Nacht über stecken gebliebenen Reisebus aus der Patsche helfen. Christoph gelingts nach mehrmaligen Versuchen und Improvisationen mit unserem Habegger-Seilzug. Später erklimmen wir noch unseren ersten „Berg“ dieser Reise unter der kundigen Führung eines Einheimischen und seines Bruders und werden auf dem Abstieg bis auf die Unterhosen durchnässt. Die Kinder zittern vor „Kälte“. 
Der zweite Weihnachtstag überrascht uns abends und nachts dann mit einem Sturm, der dem vor vielen Jahren ebenfalls am 26. Dezember statt gefundenen Lothar recht nahe kommt. Im Gegensatz zu den Kindern finden wir keinen Schlaf. Und staunen am Morgen, was unsere Zelte alles unbeschadet überstehen können. Wir packen unsere sieben Sachen rasch zusammen. Genug Kälte, Regen, Wind und Nebel, Weihnachten ist vorbei und wir wollen wieder nach Afrika. 

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