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Swasiland

Wir haben unser Lager auf dem kleinen Kiesparkplatz der Lidwala Backpacker Lodge unweit von Swasilands Hauptstadt Mbabane aufgeschlagen. Ein besonderer Ort für uns, haben wir doch vor sieben Jahren schon einmal hier genächtigt, zumindest die Hälfte der Familie, einer gemütlich schaukelnd im Fruchtwasser. Christoph ist mit Simon und Mena unterwegs zum Supermarkt, Salzkartoffeln sind gewünscht. Levi hat soeben seine Trinkwasserfilterei beendet und widmet sich nun seinen Schulaufgaben. Noch sind wir zwei nicht ganz auf dem Damm. Eine Pizza hat unser Verdauungssystem stark in Mitleidenschaft gezogen. Ja, wer nicht lernt, muss fühlen. Auswärts lieber einheimischer Maisbrei als westlich Angehauchtes von der Speisekarte wählen. Müsste ich bestens wissen… Erster Krankheitsfall dieser Reise, passend zu Simons Geburtstag!

 

Vor bald einer Woche haben wir das tropische Mozambique verlassen und tuckern seither durch das kleine Königreich, mit dem unser Heimatland in den anderen bereisten Ländern Afrikas oft verwechselt wird. Wir: „From Switzerland.“ Unser Gegenüber: „Ah, from Swaziland.“ So weit hergeholt ist das nicht. Eines unserer Wildcamps im hügeligen Highveld hat schliesslich den Namen „uf dä Alp-Camp“ bekommen. Weniger heimatlich-idyllisch kam es uns noch am selben Morgen im mittelländischen Lowveld vor, als wir uns im Labyrinth der Zuckerrohrplantagen nach dem Weg suchend plötzlich hinter einem Traktor mit lauter Männern in Raumanzügen und Gasmasken befanden. Vielleicht würde sich in den versprühten Wässerchen aber ebenso ein Stück Schweiz finden. Technologietransfer, wie man in Afrika so schön sagt.

 

Sofort aufgefallen ist uns, dass im Unterschied zu Mozambique auch ausserhalb von Städten oder grösseren Siedlungen die Frauen häufig Hosen oder Leggins tragen. Und dennoch ihre schwere Bündel mit Einkäufen, Wäschezuber oder Holz auf dem Kopf tragen. Vielleicht ist dies ein Zeichen des Transformationsprozesses von der Tradition zur Moderne, in dem sich das Land laut Reiseführer befindet? Dann die vielen gemauerten Häuser, z.T. kunstvoll verziert, oder die zahlreichen Grossbaustellen in und um die Hauptstadt Mbabane. Das gute Englisch der Kinder, obwohl sie untereinander ihre eigene Sprache sprechen. Von den 23 anwesenden Kindern bei der Zubereitung unseres Mittagessens haben wir zum Beispiel den englischen Begriff für „Schneidebrett“ gelernt. Ein Gegenstand, der normalerweise in einem afrikanischen Haushalt gar nicht existiert, da jegliche Schneidarbeit in der Luft vonstatten geht.

 

Topografisch haben grosse Teile des Landes Ähnlichkeiten mit dem Emmental. Und dies animiert uns auch wieder, die Crocks und Flipflops zu „schnüren“ und ein paar Wasserfälle, eine Hängebrücke und sonstige Schönheiten, teils an Antilopen, Zebras und Pavianen vorbei, zu entdecken. Da blühen Mena und Levi auf und hüpfen wie die Geisslein davon. Sie trainieren für ihr hoch gestecktes Ziel: diesen Sommer erstmals zu Fuss auf die Hütte!

 

Simon hat sein Ziel erreicht. Mit vollem Einsatz kam am Donnerstag das lang geübte Stück "Cämpi buutstag desser, cämpi buutstag desser, cämpi buutstag libe Simon..." über die Lippen. Oder doch nicht ganz, er wollte  ja "viri" werden...!

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Kommentare: 1
  • #1

    Johannes (Mittwoch, 31 Januar 2018 18:14)

    Liebe Sarah
    Herzliche Gratulation zu deinem heutigen Geburtstag. Ich hoffe, es geht euch allen gut. Mit grossem Interesse verfolge ich eure Berichte und atemberaubenden Fotografien. Vielen Dank.
    Lieber Gruss
    Johannes