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Résumé

wir kommen wieder

Ein Sturz aus dem Dachzelt, ein Raubüberfall, ein Loch im Pneu, kaputte Stoßdämpfer, zwei mal im Schlamm versoffen, alle drei Kinder in den Dünen verloren und kürzlich noch ein Sturz auf den Hinterkopf, bei dem ein erwachsener Schädel fast garantiert gebrochen wäre.

Das alles während zwei Reisen, 244 Tagen und 24'000 Kilometern durch 11 Länder im südlichen Afrika.

Glück gehabt?

Ein jeder selbst wird sich sein Urteil machen und viele würden das Risiko nicht tragen wollen und derweil lieber zuhause bleiben. Schließlich haben wir Schweizer meist die Wahl zu tun, was wir können und zu lassen, was wir nicht wollen. Damit wir nicht müssen, gibt es wunderbare Ausreden, die wir uns selbst glaubhaft machen können.

Keine Zeit, kein Geld, zu viel Arbeit, die Schule klemmt, der Garten blüht oder die Großmutter ist krank! Erst, wer es letztlich trotzdem tut, begegnet der größten Gefahr: Es immer wieder tun zu wollen!

Darum gehört an den Schluss zweier so fantastischer Reisen ein Loblied auf diesen Kontinent und das Reisen abseits der Touristenströme. Ich habe sehr den Eindruck, dass wir wieder kommen und dass auch die Kinder diesen Virus latent in sich tragen werden, ihr zukünftiges Leben lang.

Es ist aber überhaupt nicht so, dass ich jedem eine Reise durch Afrika empfehlen würde! Erst recht nicht so wie die kürzlich angetroffenen Schweizer, die für fünf Tage nach Kapstadt fliegen. Ja gar unsere Art zu reisen erlaubt höchstens einen Streifschuss. Ich vermute, dass selbst Auswanderer und deren Nachkommen nie wirklich hier ankommen. Für diesen Kontinent fehlen uns Weißen einfach die richtigen Gene!

 

Nicht viele aber einige sehr spannende Begegnungen mit anderen Reisenden haben wir ebenfalls erlebt. Unterwegs mit dem Velo, in Bussen und Matatus oder wie wir mit dem eigenen Auto! Alleine, als Paar oder als ganze Familie! Für ein paar Monate, etliche Jahre oder scheinbar lebenslänglich. Mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen haben sie die Komfortzone ihrer Heimat verlassen und sich auf ihr persönliches Abenteuer eingelassen.

 

Viele Landstriche, die wir durchstreift haben, sind Tagesreisen von der nächsten, zumindest halbwegs westlich anmutenden, medizinischen Versorgung entfernt. „No Service“ auf dem Handy! Kein Wetterbericht! Freilaufende Raubtiere, Elefanten, giftige Schlangen, Skorpione, Malariamücken! Straßen mit Potholes, Wellblech, Tiefsand, und was einem darauf entgegen kommt, klappert, scheppert, röhrt und ist maßlos überladen! Insgesamt eine hochexplosive Mischung! Wer sich mögliche Konsequenzen in jedem einzelnen Moment vor Augen führt, dreht hier über kurz oder lange durch. Erst recht wer mit Kindern reist. Vermutlich, nein hoffentlich, wird er sein wohlbehütetes Zuhause nie verlassen!

Dazu kommt noch, dass Glück und Vorsicht die wohl einzigen Versicherungen sind, auf die man sich verlassen kann. Wie zuhause, haben wir die käufliche Sicherheit beim obligatorischen Minimum belassen. Und das mit einem old-fashioned Landrover ohne Airbag.

Trotzdem fühlt sich dieses Leben irgendwie logischer, natürlicher, menschlicher an als in der westlichen Welt. In vielerlei Hinsicht sogar sicherer! Zum Beispiel läuft niemand auf die Straße, weil er Vortritt hat, sondern, weil gerade kein Auto kommt. Wer stärker oder cleverer ist, gewinnt und trotzdem hilft man sich gegenseitig ohne wenn und aber. Wer etwas ausfrisst, hat sich vor seiner Familie mehr zu fürchten als vor Gefängnisgittern.

 

Wo schwarze Haut vorherrscht, stehen das traditionelle Leben als Gemeinschaft und der Zusammenhalt einer Familie über allem. Darin erklären sich Umstände, für die wir inzwischen Fußgängerstreifen, Helme, Versicherungen, Altersheime, Kinderhorte und Lego brauchen. Unterschiede, welche den Graben zwischen Schwarz und Weiß wohl noch lange nicht aufzufüllen ermöglichen. Aus unserer Sicht, die wir uns nur kurz in dieser Fremdartigkeit räkeln, wäre das auch gut so. Anders sieht es aber für Südafrika aus, ein Land, welches sich die Angleichung zweier so unterschiedlich gewachsener Kulturen zum Ziel gesetzt hat. Hier prallen Welten aufeinander und anders als z.B. in Kenia, Mozambique oder Malawi sind wir hier nicht mehr als Gäste in einer fremden Kultur unterwegs, sondern identifizieren uns zwangsläufig mit der weißen Minderheit, die den Großteil der Landfläche in Anspruch nimmt.

 

Das erleichtert uns etwas den baldigen Abschied vom afrikanischen Kontinent. Wir freuen uns auf die Annehmlichkeiten schweizerischer Lebensweise und auf ganz viel Arbeit. Nur einer Tatsache blicken wir mit Besorgnis entgegen und überlegen uns hin und her, wie wir zumindest einen Teil davon nachhause retten könnten! Das unverdorbene Spiel unserer Kinder!

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Kommentare: 3
  • #1

    Schlunis (Samstag, 17 Februar 2018 08:21)

    Merci für die schöne und zum nadeiche aregendi Brichte.
    Die wunderfolle Bilder.
    Mier freue üs uf öich.
    Wünsche e gueti Heireis
    Liebe Gruess
    Schlunis

  • #2

    Susanne (Sonntag, 18 Februar 2018 08:51)

    Viele, viele Dank für die spannende und sehr interessante Bricht vo Eure Reis durch's südliche Aftrika. Dank euem Reiseblog han i noch minere Rückkehr au Dihei noh achli dörfe witer durch Afrika reise.
    I freue mi scho sehr uf üses Widersehe im Gsteigwiler und wünsche Eu ganz e gueti Heireis.
    Liebi Grüess
    Susanne / Gotti

  • #3

    D`Waltlis (Montag, 19 Februar 2018 12:48)

    Asante sana, wunderschöne Photos, spannende Reisberichte und tolle Eindrücke von eurer "sagerhaften" Afrikareise. Es tönt irgendwie nach einer Fortsetzung ? :-)
    Wir wünschen euch eine gute Heimreise und einen tollen Start in der Konkordia.
    Liebe Glarnergrüsse von den 4 Walten